3 Wochen ERASMUS+ Praktikum in Sevilla, Spanien
„Hä? Ich versteh‘ nur Spanisch!“ das haben wir uns gedacht, als wir
dann plötzlich in Sevilla standen. Denn als Gruppe von 19
Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen 12 Klassen der Berufsschule
Weilheim haben wir drei Wochen Praktikum in der südspanischen Stadt
Sevilla gemacht. Von der Zimmererin zum KFZler und vom Maurer zur
Zerspanungsmechanikerin waren wir ein bunt gemischter Haufen. Das
Projekt lief unter dem Erasmus+ Programm der EU. Für einige war es das
erste Mal so weit weg von Zuhause und das auch noch ohne Eltern zu sein. Aber
dafür hatten wir ja uns, haben uns gegenseitig unterstützt und an unserer Selbstständigkeit gearbeitet.
Vor Ort waren wir mal alleine mal zu zweit in Betrieben unseres Berufs
untergebracht, auch wenn sich der Beruf dort stellenweise mächtig von
dem, was wir gewohnt waren, unterschieden hat, konnten wir genauestens
gucken, wie unsere spanischen Kollegen gearbeitet haben. Haben viel
gesehen, was wir hier in Deutschland nicht so machen würden, aber auch
gesehen, dass manches auch gut funktioniert, obwohl man es nicht nach
allen Regeln der Handwerkskunst macht.
Unsere Vorarbeiter und Kollegen, viele haben beim Arbeiten gesungen,
waren größtenteils überaus freundlich und wir haben versucht, uns mit
Händen, Füßen und Übersetzungs-Apps zu verständigen.
Es gab natürlich auch Qualitätsunterschiede zwischen den Betrieben, in
denen wir gearbeitet haben. Dadurch haben wir alle gemerkt, dass die
Qualität in deutschen Unternehmen gleichmäßiger ist. Das liegt
sicherlich auch an der guten Ausbildung, die wir hier erfahren. Schon eine
schicke Sache gut ausgebildete Fachfrauen und -männer zu haben!
Wir hatten auch genug Zeit, um die Stadt zu erkunden. Für diejenigen von uns, die auf dem Dorf aufgewachsen sind, war es erstmal eine große Umstellung, sich an die Menschenmengen und den Trubel zu gewöhnen. Wo fahren die Busse, wo kaufen wir ein und vor allem, wo gehen wir was trinken? Oft kam nachmittags eine Nachricht in unseren Gruppenchat und jemand fragte: „Wo treffen wir uns heute?“ Vieles haben wir gemeinsam unternommen, waren in unterschiedlichen Museen, auf Events, wie Konzerten oder sind durch die Innenstadt gestreunert. Danach wartete meist eine Tapas Bar auf uns. Tapas sind eine spanische Spezialität. Es sind kleine Teller mit Kartoffelomlett, frittiertem Fisch oder Schinken, die wir gerne teilten.
Unsere Highlights der Besichtigung waren die Kathedrale von Sevilla. Ein
riesiges Gebäude mit beeindruckenden Altaren und Prunk. Als ob die zum Angeben
20 Kirchen in eine gesteckt hätten.
Als Zimmerer und Zimmerin ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, auf das
größte Holzbauwerk der Welt zu gehen. Die Setas von Sevilla.
Und den Nikolaus Tag, der in Spanien als Dias de la Constitución (= Verabschiedung der spanischen Verfassung von 1978) ein Feiertag ist, haben wir in Cádiz verbracht. Bei Sonne und 25°C lagen wir den Tag über am Stadtstrand und waren im Atlantik
baden.
So gingen unsere drei Wochen ziemlich schnell vorbei und ehe wir uns
versahen, waren wir wieder im eingeschneiten Bayern. Es war ein sehr
schöner Auslandsaufenthalt!
Nachhaltigkeit und Arbeitsweisen
Meine Zeit im Gastbetrieb in Sevilla bot wertvolle Einblicke in eine andere Arbeitskultur und Herangehensweise an betriebliche Aufgaben, insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Arbeitsweisen. Der direkte Vergleich mit meinem Heimatbetrieb zeigt jedoch deutliche Unterschiede, sowohl in der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen, als auch in der allgemeinen Arbeitsweise.
Mein Heimatbetrieb hat ein breites Spektrum an Maßnahmen eingeführt, die den ökolo-gischen Fußabdruck nachhaltig reduzieren. Dazu zählen die Installation einer Photovoltaik-anlage, die Nutzung eines Grünstrom-Vertrags sowie eine neue, energieeffiziente Dachein-deckung mit verbesserter Wärmedämmung. Zusätzlich fördern wir durch kreative Initiativen, wie das Pflanzen eines Baumes für jede Google-Bewertung nicht nur den Klimaschutz, sondern auch das Bewusstsein für Umweltbelange bei unseren Kunden und Partnern.
Ergänzt werden diese Maßnahmen durch die Bereitstellung von öffentlichen E-Lade-stationen, die Umstellung auf energiesparende LED-Beleuchtung im Heimbetrieb und die Förderung nachhaltiger Mobilität durch die Bereitstellung von kostenlosen E-Bikes für Kunden für Mobilität während eines Kundenservice. In unserer Werkstatt setzen wir auf wiederverwendbare Materialien, wie waschbare Lumpen, um Abfall zu reduzieren, falls Vermeidung nicht möglich ist. Diese systematische Herangehens-weise zeigt ein systematisches Engagement für Klimaschutz und Resourcenschonung.
Im Vergleich dazu gibt es im Gastbetrieb in Sevilla eine Mülltrennung, die auf grund reduziertem Bewusstsein nur bedingt funktioniert. Eine umfassende Strategie zur Reduzierung von Emissionen oder zur Förderung erneuerbarer Energien ist nicht erkennbar.
Auch in der allgemeinen Arbeitsweise zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Im Gastbetrieb in Sevilla war die Arbeit häufig von Improvisation geprägt. Hier wurden gebrauchte oder beschädigte Teile teilweise repariert anstatt sie zu entsorgen. Dies ist Resourcen-schonend und ist mit weniger Bürokratie verbunden, wie beispielsweise beim Wegfall der Dokumen-tation und Abwicklung der Ersatzteilbestellung und -Lieferung sichtbar wurde. Die offene Fragestellung für mich bleibt jedoch – ob das reparierte Ersatzteil dieselbe Lebensdauer aufweist wir ein Ersatz-Neuteil und damit echte Nachhaltigkeit (Lebensdauer) erzielt werden kann. Reparaturzyklen werden damit eventuell auch kürzer!
Mein Heimatbetrieb zeichnet sich durch strukturierte Prozesse und klare Standards aus. Diese systematische Herangehensweise minimiert Fehlerquellen, gewährleistet Qualität und sorgt für einen reibungslosen und produktiven Ablauf der Aufgaben. Die Mitarbeiter sind gut geschult, und das Unternehmen legt Wert auf eine professionelle und qualitativ hohe Arbeitsweise.
Im Ganzen war der Aufenthalt in Sevilla ein voller Erfolg, mein Gastbetrieb hat mich sehr herzlich aufgenommen. Ich hatte Gelegenheit, eine andere Arbeitskultur kennenzulernen und zu beobachten, wie Prioritäten in einem internationalen Kontext bei Auto-Service unter-schiedlich gesetzt werden. Diese Erfahrung hat meine Wertschätzung für die klaren Strukturen, die Qualitätsstandards und das Umwelt-Engagement meines Heimatbetriebs deutlich gestärkt. Nach dieser spannenden und horizont-erweiternden Zeit freue ich mich nun darauf, in meinen Heimatbetrieb zurückzukehren, wo ich mich weiterhin aktiv an nachhaltigen Projekten einbringen möchte und meine Arbeit mit hohem Qualitätsstandard einen Beitrag für bestmöglichen Kundenservice und zufriedene Kundschaft leisten will.